Thema 

 

Diagnostik in der Jugendhilfe: Zum aktuellen Stand der Theorie- und Methodenentwicklung in der Sozialen Arbeit

Silke B. Gahleitner

In der Sozialen Arbeit hatte die Bezeichnung »Diagnostik« über viele Jahrzehnte hinweg einen schlechten Ruf. Noch heute distanzieren sich SozialarbeiterInnen und SozialpädagogInnen z. T. von der Begrifflichkeit und weisen das Gebiet ausschließlich anderen Professionen zu. Tatsächlich bedarf es jedoch stattdessen einer selbstbewussten biopsychosozialen und transdisziplinären Kompetenz in der interprofessionellen Zusammenarbeit mit den anderen im diagnostischen Bereich beteiligten Professionen – letztlich einer »originären sozialarbeiterischen Berufsidentität« (Mühlum/Gahleitner, 2008, S. 49). In ihrer Aufgabe, sozialen Dysfunktionen vorzubeugen und entgegenzuwirken (Klüsche, 1999), ist die Soziale Arbeit nicht nur in besonderer Weise qualifiziert, sondern auch traditionell verpflichtet, im diagnostischen Geschehen die Schnittstelle zwischen psychischen, sozialen, physischen und alltagssituativen Dimensionen auszuleuchten.

In den letzten beiden Jahrzehnten hat sich die Soziale Arbeit dieser Aufgabe, das Zusammenspiel zwischen personalen, interpersonalen, institutionellen und kulturellen Dimensionen im sozialberuflichen Handlungsfeld in Diagnostik wie Intervention auszuleuchten und zusammenzudenken, auch gestellt und zahlreiche Ergebnisse über Veröffentlichungen zugänglich gemacht. Der vorliegende Artikel unternimmt den Versuch, einen Überblick über bisherige und aktuelle konzeptionelle Überlegungen in der Sozialen Arbeit für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen zu geben, die enge Verflechtung von komplexen Bedingungsfaktoren im diagnostischen Prozess deutlich werden zu lassen und beispielhaft an einem integrativen Modell für die Praxis zu veranschaulichen.

 

Den vollständigen Beitrag finden Sie im aktuellen Heft der Jugendhilfe.

 

... nach oben

 

 

Fallverstehen und Diagnostik in der Kinder- und Jugendhilfe

Christian Schrapper

Zum Thema Fallverstehen und (sozialpädagogische) Diagnostik in der Kinder- und Jugendhilfe kann mit Karl Valentin angemerkt werden: »Es ist zwar schon alles gesagt – nur noch nicht von allen.« Die Zahl der Beiträge und Veröffentlichungen zum Thema ist inzwischen riesig, auch aktuell bieten Tagungen und Veröffentlichungen reichhaltig Stoff, wie auch die Beiträge dieses Themenheftes zeigen.

Was allerdings bis heute fehlt, ist eine auch nur einigermaßen akzeptierte Verständigung auf konzeptionelle Eckpunkte oder gar auf methodische Standards für die zentrale Aufgabe von Sozialpädagoginnen und Sozialarbeitern, in ihren Fällen zu begründeten Endscheidungen zu kommen. In der Kinder- und Jugendhilfe, auf die ich mich hier beziehen will, sind dies meist so folgenreiche Entscheidungen wie, ob Mädchen und Jungen »zu Hause bleiben« dürfen« oder »in’s Heim müssen«, ob sie mit ihren Eltern leben können und doch gut geschützt werden können, oder wie sie ausprobieren können, erwachsen zu werden, ohne für jeden Fehltritt gleich ausgegrenzt zu werden.

Wenn »unsere« Entscheidungen für andere solche einschneidenden Folgen haben können, muss um sehr mehr danach gefragt werden, auf welcher Grundlage sie erarbeitet, begründet, abgewogen und überprüft werden. Genau darum geht es, wenn von Fallverstehen und Diagnostik die Rede ist. Wie kann verstanden werden, was der Fall ist, und wie kann man durchblicken, worum es dabei geht?

 

Den vollständigen Beitrag finden Sie im aktuellen Heft der Jugendhilfe.

 

... nach oben

 

 

Verfahren der Sozialen Diagnostik und deren Einsatz in der Jugendhilfe

Peter Pantuček

Das Konzept der Sozialen Diagnostik fokussiert nicht auf Personen, sondern auf Situationen, speziell auf das Verhältnis von Individuen zu ihrer Umwelt bzw. zur Gesellschaft, und es ist kooperativ ausgerichtet. Was hier »verstanden« werden soll, ist nicht eine Person, sondern sind die Bedingungen, unter denen eine Person ihr Leben zu führen versucht. Nicht nur die Fachkraft, sondern auch die KlientInnen sollen ein besseres Situationsverständnis erlangen. Damit eröffnet sich eine erweiterte Perspektive. Es wird leichter, als subjektiv »vernünftig« zu verstehen, wie die Personen agieren, und es entfaltet sich ein Themenfeld des Dialogs. Es mag paradox erscheinen, aber es funktioniert: Wenn man den Blick auf die Situation, nicht auf die Person richtet, wird die respektvolle Verständigung mit der Person erleichtert.

 

Den vollständigen Beitrag finden Sie im aktuellen Heft der Jugendhilfe.

 

 

... nach oben

 

 

W-Fragen und Systemische Denkfigur – zwei allgemeine diagnostische Verfahren

Kaspar Geiser

Zur »sozialen Diagnose« gibt es einige erläuternde, kritische und praxisbezogene Beiträge (Heiner, 2004; Geiser/Sagebiel/Vlecken, 2009; Pantuček/Röh, 2009; Staub-Bernasconi, 2007, 287 f. u.a.). Angesichts des zur Verfügung stehenden Raums beschränkt sich der Autor auf eine sehr kurze Skizze seiner Position.

1. Wovon wird im Folgenden geschrieben? – Definitionen

Die soziale Diagnose ist ein sozialarbeitswissenschaftlicher Befund über einen beschriebenen, erklärten und prognostizierten sozialen Sachverhalt, bezogen auf Individuen, kleinere und mittlere soziale Systeme, eingeschlossen ihre soziale und nicht-soziale Umwelt; sie besteht aus der Formulierung von (sozialen) Problemen, adressatenbezogenen Ressourcen und der Priorisierung der Probleme.

Als soziale Diagnostik wird das Gesamt an Methoden (Systeme von Handlungsregeln) verstanden, die erforderlich und geeignet sind,

  1. Aussagen über Fakten zu erfassen und den Modus ihrer Erfassung zu bestimmen (Befragung, Erzählung, Beobachtung, Dokumentenanalyse u. a.);
  2. die zur Beurteilung erforderlichen Aussagen als relevant/nicht relevant auszuwählen;
  3. ein aktuelles strukturiertes Bild über den Wirklichkeitsausschnitt zu zeichnen, Erklärungen und Prognosen zu formulieren [a)–c) = in systematischer Weise prädiagnostische Operationen zu realisieren];
  4. Aspekte des Bildes zu bewerten und als Ergebnis der Bewertung die Probleme und entsprechenden Ressourcen zu formulieren und zu begründen (Weshalb handelt es sich um Probleme bzw. Ressourcen?).

Die diagnostische Kernoperation ist der Bewertungsvorgang, der 1. eine Soll-Vorstellung voraussetzt (gesellschaftliche Werte = z. B. Bildung, und/oder Werte des Organismus = Bedürfnisse), 2. die Abweichungen von Werten beschreibt, 3. die Abweichungen aufgrund der Soll-Vorstellungen bewertet, d. h. als Ergebnis 4. die Probleme formuliert und 5. die Ressourcen der Adressaten erwähnt.

 

Den vollständigen Beitrag finden Sie im aktuellen Heft der Jugendhilfe.

 

... nach oben

 

 


Themen - Archiv

   
 

einen Überblick über die Themen-Beiträge der vergangenen Monate finden Sie im Archiv

 

klicken Sie hier, um ins Themen - Archiv zu gelangen